2015 und 2016 hat Iris Johansson Seminare über die „Vierte Kommunikations-Dimension“ gegeben. Iris‘ Ausführungen sind häufig sehr prägnant und werfen ein neues Licht auf viele aktuelle Fragen. Die Sitzungen wurden aufgenommen und ich habe einen Teil davon aufgeschrieben.

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Gespräche mit Iris
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Es sind weitere Folgen in Vorbereitung mit den Themen Geborgenheit, Gemeinschaft und die Weltlage.

 

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Folge 2         Vertrautheitswissen & Anpassung

Was meinst du mit Vertrautheitswissen?

 

 

Vertrautheitswissen ist all das, was du in Bezug auf dasjenige kannst, was man als das Notwendige im Leben braucht. Wichtig ist, wie du geprägt wurdest durch deine Mutter, deinen Vater, deine Oma usw. Im Grunde handelt es sich darum: Ich kann überleben, denn ich weiß, wie ich handeln kann. Das Kind ist die ganze Zeit verankert in Überlebensstrategien in dem Leben, das es gerade lebt. Es kann, seinem Alter entsprechend, wissen: „Ich kann mir da und da Essen besorgen, ich kann mir Kleider anziehen, ich kann in diese Ecke kriechen und schlafen.“ Wenn du in dieser Geborgenheit mit dir selber sein kannst, und darin leben, dann kannst du diese Sicherheit die ganze Zeit über pflegen. Wenn du weißt: „Wenn ich im Wald bin, kann ich mir auf diese oder jene Weise Essen verschaffen“, dann kannst du auf eine ganz andere Weise in Vertrauen leben, als wenn du dieses Wissen nicht hast. Du denkst auf eine andere Weise! Dann bist du in Autonomie, nicht in Anpassung! Dann suchst du die Antwort nicht bei einem Anderen, du suchst die Antwort in dir selber, ausgehend davon, wo du gerade selber bist. Das Einzige, was du dann bei anderen suchst sind Alternativen, zu dem was du selber herausgefunden hast. Das ist das Mutualistische. Das ist möglich in einer geborgenen Heimsituation zu entwickeln, aber auch in einem Zuhause, wo die Geborgenheit nicht vorherrscht! Das hängt damit zusammen, wieviel Vertrautheit du mit dir selber und mit dem Leben hast. Das Primäre ist die ganze Zeit da, die Kunst besteht darin, es mitzunehmen und sich nicht an das Sekundäre zu klammern und das Primäre auf dem Altar des Sekundären zu opfern.

 

 

Man kann den Eindruck haben, dass in vielen Familien, (z.B. eine alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern in einer kleinen Stadtwohnung, in der heutigen intellektuellen Zeit) kaum die Bedingungen vorhanden sind, dieses Vertrautheitswissen zu erlangen, weil es so wenig Möglichkeiten gibt mit echtem Tun in Kontakt zu kommen. Wie kann es trotzdem entstehen?

 

 

Wenn es eine alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern ist, nun, die kommen ziemlich in Kontakt mit sich selber, so dass die nicht in der ersten Gefahrenzone sind. Die werden oft vertraut damit, mit allem was nötig ist, damit das Leben funktioniert. Sie bekommen ein einigermaßen ausgebildetes Selbstgefühl. Ein Einzelkind mit einer alleinerziehenden Mutter hat es in dieser Beziehung viel schwieriger, es bekommt kaum Chancen Vertrautheitswissen auf zu bauen. Oder ähnlich verhält es sich mit einem Einzelkind mit zwei Eltern, die beide ihre Karriere aufbauen. Es hat auch wenig Möglichkeit anderes als Anpassung zu entwickeln. Und auch die Kinder der sogenannten Helikopter-Eltern, die die ganze Zeit beschäftigt sind, die Kinder vor allem Möglichen zu bewahren und zu retten, die bekommen wenig eigene Erfahrungen. Wenn wir Kinder davor retten, die Unvollständigkeit des Lebens, in dem sie hineingeboren sind, zu erfahren und wir so tüchtig sind, dass die Kinder nie etwas Schlimmes erleben, dann ist das nicht gut für die Kinder. Es macht es nur bequemer und leichter für die Erwachsenen, weil die Kinder ihnen dann keine Beschwerden machen. Und das baut auf dem tiefsten Majoritätsmissverständnis in der dritten Dimension auf: Man soll "fertig werden" mit etwas, und zwar so schnell wie möglich. Alles soll schnell, effektiv, rationell und bequem vonstattengehen, damit man dann hinterher frei hat. Das ist ein gigantischer Gedankenfehler! 

 

 

Wie können die Kinder der vierten Dimension das Vertrautheitswissen wieder aufbauen?

 

 

Das, was ich das Primäre nenne, ist das, was da ist, wenn nichts anderes da ist. Darüber braucht man nichts Besonderes zu wissen, weil es einfach da ist. Wenn du dann hier und jetzt anwesend bist in dem Leben das du lebst, dann hast du die innere Geborgenheit in dir, die du die ersten 14 Tage deines Daseins erfahren hast. Wenn du älter wirst, wirst du mehr und mehr die Funktionen, die deine Eltern ausgeübt haben, nunmehr selber übernehmen. Zum Beispiel, dass du ein Dach über dem Kopf, Kleidung und Essen hast usw. Ein Kind lernt daran, dass es aufsaugt, wie Sachen um es herum funktionieren. Das ist nicht ein pädagogisches Wissen und Können – das ist ja sekundär. Ein kleines Kind lernt das Schuhe Anziehen dadurch, dass Mama ihm einige Male die Schuhe anzieht und dann will es das selber können. Wenn die Mutter kurz herausgeht, spürt wie das Wetter ist und da heraus die Kleider wählt, wird die Art, wie sie das macht, sich in deinem Körper als eine Art Vorwissen befinden. Das führt dann dazu, dass wenn du größer wirst und die Fürsorge für dich selber übernimmst, dein Körper weiß, welche Kleidung du zu welchem Wetter anziehen sollst. Das verringert die Wahlmöglichkeiten und das ist auch gut so. All das, was deine Mutter an Lebensmitteln zum Kochen verwendet hat, die Art wie sie den Tisch gedeckt hat, das ist etwas was du als Kind aufsaugst und in dein Rückenmark legst und dann als Vertrautheitswissen zur Verfügung hast. Wenn du als Kind nicht dabei sein durftest, wenn deine Eltern gekocht haben und die notwendigen Arbeiten im Haus verrichtet haben, oder ihre Finanzen organisiert haben, vielleicht weil sie das alles gemacht haben, während du im Bett warst und es nicht aufsaugen konntest, dann wird das bei dir eine Art Angst erzeugen, dann wirst du dich sehnen nach etwas, woran du dich anpassen kannst. In Schweden begann es in den sechziger Jahren, dass die Kinder all das nicht mehr mitbekamen, weil man die Kinder in den Kindergarten tat und dort konnte man nicht auf dieselbe Weise vertraut werden mit diesen Basistätigkeiten. Danach kamen sie in die Schule, da ging es auch nicht und so haben sie sehr wenig Vertrautheitswissen mitbekommen. Und die Eltern bemerkten die Unselbstständigkeit, die bei den Kindern entstand und fühlten sich davon sehr gestört, weil sie nicht mehr alles machen konnten, was sie geplant hatten. Die Seins-Atmosphäre, wo man einfach in der Familie in der Atmosphäre voneinander ist, die schrumpfte zusammen. Denn es ist ja  diese Seins-Atmosphäre, in der dieses Vertrautheitswissen in uns heranwächst. Anstelle des Vertrautheitswissens haben die Jugendlichen heute ein großes virtuelles Netzwerk, um auf anderen Wegen sich etwas anzueignen, was Vertrauen in sich selber bildet. Seit den neunziger Jahren gibt es ein sehr großes Suchen nach Vertrautheitswissen bei den Jugendlichen. Viel größer im Vergleich zu der Zeit des Wirtschaftswachstums nach dem 2. Weltkrieg. Die vierte Dimension ändert sehr viel an der Richtung der dritten Dimension. Aber das gestaltet sich ziemlich schwer, weil die Menschen der Vierten Dimension noch so jung sind, und die Leute der dritten Dimension noch so viele sind und dazu auch noch so störrisch. Sie haben eine Art Neigung zu glauben, dass sie immer richtig liegen, auch wenn es nicht so ist. Auch finden sie, dass die jungen Leute finden sollten, dass sie Recht haben, unabhängig davon, ob sie Recht haben oder nicht. Die Menschen der dritten Dimension haben also auch viel zu lernen.

Wenn man als Kind wenig Vertrautheitswissen mitbekommen hat, kann man das später nachholen?

 

 

Ja, das kann man. Es gibt viele feine Weisen, wie man Vertrautsheitswissen nachholen kann. Zum Beispiel das Sommerlager, das wir jedes Jahr hier organisieren. Darin spielen die Kinder eine ganze Woche lang. Die Erwachsenen machen das, was ihnen am allermeisten Spaß macht und dann nehmen sie die Kinder damit hinein. Es kommt darauf an, dass die Erwachsenen die ganze Zeit in dem, was sie tun, im Spielen darinnen sind. Das gab es ungeheuer wenig in der Zeit von der Industrialisierung bis zu den neunziger Jahren. Die meisten Kinder, die dabei sind, werden ungeheuer stark geprägt von dem, was Spiel ist und können ihr Leben lang daran anknüpfen, sie können spielen im Leben. Viele kommen zum ersten Mal, wenn sie sieben sind, und kommen immer wieder, später auch als Erwachsene. Wenn sie hier viele Jahre waren, merken sie, dass sie in der Schule ein stärkeres Vertrauen haben als ihre Klassenkameraden. Es gibt natürlich immer den ein oder anderen in der Klasse, der dieses Vertrautheitswissen schon hat. Aber wenn man es nicht hat, kann man es zu jeder Zeit nachholen! Wenn man über 50 ist, gibt es eine gewisse Trägheit, aber auch da geht es. 

 

 

Ist dieses Vertrautheitswissen denn überhaupt noch wichtig in unsere moderne Zeit?

 

 

Die erste Dimension baut ganz auf „Vertrautheitswissen“ auf. In der zweite Dimension ist dieses Vertrautheitswissen auch noch überall vorhanden, und wird überspült von Informationen, die von außen hinzukommen über Zeitungen und Radio. In der dritten Dimension geht durch die gesamte Veränderung, die in der Gesellschaft von statten geht, ganz viel von dem Vertrauen verloren, was man zu sich selber hat, dadurch dass man dieses Vertrautheitswissen hat. In der vierten Dimension baut kaum noch etwas auf dieses Vertrautheitswissen auf. Und von daher passiert es sehr leicht, dass man Konflikte in sich bekommt. Ob man sich folgsam oder trotzig anpassen soll.

 

 

Was passiert in der Begegnung mit den Flüchtlingen, die jetzt nach Europa kommen?

 

 

In der ersten Dimension handelt es sich um die Vertrautheit mit den Menschen in seiner direkten Umgebung und mit dem Flecken Erden, auf dem man lebt. Die Menschen, die momentan nach Europa kommen, sind der ersten Dimension noch viel näher als wir. Was heute vielfach gemacht wird, ist das was diese Menschen mitbringen aufzulösen, damit sie sich anpassen an das Denken der dritten Dimension. Das passiert an Stelle einer gegenseitigen Bereicherung in der Vertrautheit der ersten Dimension. Weil viele Menschen in Europa wenig Verbindung spüren mit der Vertrautheit der ersten Dimension, fühlen sie sich bedroht, wenn die Flüchtlinge gerade das mitbringen. Und so handeln sie gegen das, was sie eigentlich suchen. Wenn du so sprechen kannst über diese Vertrautheit, dass sie sich geborgen fühlen können, dann verschwindet dieser Gegensatz.

 

 

Manche Jüngeren können noch gut anknöpfen an die dritte Dimension, manche nicht. Woran liegt das?

 

 

Wenn du in deinem eigenen Vertrauen sein kannst, weil du dir selber klar machen kannst, dass dein Leben nicht bedroht ist, wenn du diese existenzielle Geborgenheit in dir selber hast, dann wird eine Situation, in der  andere wollen, dass du dich anpasst, für dich nicht so bedrohlich sein. Dann wirst du merken, dass du frei bist, entweder so zu machen wie die anderen es von dir wollen, oder das Gegenteil davon, oder noch etwas ganz anderes, nämlich Eigenes zu machen. Der Unterschied liegt in dem Vertrauen oder in dem Misstrauen zu dir selber. Wenn du Misstrauen zu dir selber hast, landest du in dem Majoritätsmissverständnis, in das die dritte Dimension sich verirrt hat. Und das besteht darin, dass du glaubst, dass die Fähigkeit sich anzupassen, an das was andere finden, denken und wollen, das Höchste ist, was man erreichen kann. Der Gedankenfehler besteht darin, dass Anpassung nur tauglich ist, wenn mein Leben bedroht ist, also zu dem Angst- und Verteidigungssystem gehört, und nur dafür ist es tauglich. Wenn du in einem Gespräch mit jemandem in einem Zweifel zu dir selber landest, dann geht es darum innezuhalten und zu fragen: „Ist mein Leben in Gefahr?“ Ist die Antwort nein, dann kannst du das Interesse daran, dich anzupassen, loslassen. Dann kannst du denken: „Oh ja, das war gar nicht so dumm gesagt, so könnte ich das auch formulieren, ja so würde ich das auch gerne haben.“ Dann baust du es zu deinem um, du passt dich nicht an, sondern findest nur zufällig das gleiche, wie der andere. Dann bist du nicht für oder gegen das, was der andere sagt. Du bist nur mit ihm einig. Das bedeutet autonom zu sein in einer mutualistischen Beziehung. Anstelle davon, dass einer die Bedingungen diktiert, an die du dich anpasst. So sind auch noch viele aus der vierten Dimension Opfer von Diktaten, die aus der dritten Dimension stammen. Es gibt ein großes Bedürfnis in der vierten Dimension gerade darüber sich auszutauschen, um Klarheit in diese Verwirrung zu bekommen.

 

Wie meinst du das? Kannst du ein Beispiel geben?

 

 

Wenn du z.B. jemanden anderen etwas fragst, obwohl du es auch sehr wohl selber machen könntest, aber du  keine Zeit dazu hast und findest trotzdem, dass es gemacht werden soll, und es geht nicht um Leben und Tod. Dann hast du dazu zu stehen, dass du sagst: „Ich will, dass du das machst anstelle von mir!“ Im anderen Falle fängst du an, den anderen zu manipulieren. Dann sagst du z.B.: „Es ist notwendig, dass abgewaschen wird.“  Natürlich ist es gut, dass abgewaschen wird, wenn du nachher wieder essen willst, aber es ist nicht existentiell! Du kannst den Anderen einladen abzuwaschen anstelle von dir selber, und dann kann er sich frei entscheiden, ohne sich anzupassen. Dafür ist es wichtig von vornherein zufrieden damit zu sein, dass der anderer sowohl ja als auch nein sagen kann.

 

 

Was sind die signifikantesten Merkmale dafür, dass ich in Anpassung gegangen bin?

 

 

Sehr oft merkt man es daran, dass man versucht tüchtig zu sein, oder dass man versucht es den anderen recht zu machen. Sehr oft landet man in der Lage, wo man zu sich selber sagt: „Was ich gemacht habe, taugt nicht!“ Und das kommt oft daher, dass der Körper enttäuscht wird, wenn man es nicht zu seinem Eigenen gemacht hat, also wenn man es nicht in Zufriedenheit umgebaut hat. Das wird schmerzhaft, und diesem Schmerz will man entkommen dadurch, dass man sich selber anklagt: „Ich sollte mich schämen, dass ich nicht mein Bestes gemacht habe. Ich sollte doch mehr gegeben haben!“ Und das nächste Mal, wenn man eine Frage bekommt, reagiert man mit Widerstand zum Jasagen. Und das ist die andere Seite derselben Sache: anstelle, dass man sich fügt und macht, was der andere von dir verlangt, wird man trotzig und versucht dagegen zu gehen, was der Andere sagt. Und mit der Zeit wird es immer mehr Widerstand. Man findet, dass der andere einem die Zeit und die Kraft klaut. Im besten Falle kann man das kompensieren, dadurch dass man Geld dafür bekommt, was man macht, oder dadurch, dass man Gegendienste bekommt für das, was man macht. Im schlimmsten Fall landet man in Stress und Burnout. In der vierten Dimension gibt es eine Art allergische Reaktion gegen Anpassung, weil es sich anfühlt, als ob man dadurch einen Mühlstein um den Hals gebunden bekommt, dadurch dass man Verantwortung auf sich nimmt, anstelle davon, dass man einfach in Verantwortung lebendig lebt.

 

 

Kannst du noch etwas mehr erzählen über diese Allergie gegen Anpassung in der vierten Dimension?

 

 

Die erste Dimension ist auch in allen anderen Dimensionen vorhanden. Aber in der dritten Dimension baut alles so stark auf Werte, Urteile und  Organisation auf. Darum gibt es so unglaublich viel Anpassung in der dritten Dimension. Zum Teil hängt es damit zusammen, dass die Naturwissenschaft den Anspruch hat, dass man alles erklären kann, und wenn man nur alles wüsste, dann würde die Unvollständigkeit verschwinden. Und dann hat die dritte Dimension noch so etwas erschaffen, dass Glück ein Ziel wäre. Wenn man nur alles richtig macht, dann kommt man an das Ziel und von da ab wird man bis ans Ende seiner Tage glücklich leben. Und dadurch leben alle für ein „später“. Dann, wenn ich aus der Schule bin, dann, wenn ich meine Ausbildung fertig habe, dann, wenn ich erleuchtet bin, ab dann wird mich das Glück erfüllen. In der ersten Dimension lebte man überhaupt nicht nach solchen Überlegungen. In der zweiten Dimension kamen durch Zeitungen und Radio einige dieser Gedanken zu den Menschen, aber sie waren demgegenüber so skeptisch, dass sie nicht Fuß gefasst haben. Aber in der dritten Dimension wurde man so verzaubert durch die Naturwissenschaft, dass man glaubte, es sei möglich alles auf diese Weise zu erklären. Aber dann geschah es, dass wenn die Leute 42 ½ Jahr alt wurden, dieses Bild zerbröckelte. Sie sind in einer Krise gelandet und psychisch krank geworden. Das passierte dann immer früher und früher. So dass es jetzt schon Schüler gibt, die in der achten Klasse ausgebrannt sind. Schweden, das sehr stark nach diesem Modell gelebt hat, hat gleichzeitig die höchste Rate von Selbstmordversuchen unter Jugendlichen in der ganzen Welt. Das kommt deswegen, weil die Jugendlichen entdeckt haben, dass es unmöglich ist das Ziel zu erreichen. Und wenn man es eh nicht erreichen kann, macht es auch kein Sinn zu leben. Und als dann die ökonomischen Krisen kamen, bekamen gerade die Kinder die Möglichkeit die Ideale der Erwachsenen zu durchschauen und durch andere zu ersetzen. Sie bekamen eine große Freiheit in Bezug auf Anpassung, weil das Anpassungssystem durch die ökonomische Krise gekentert war und weil die Idee der Zuwachsökonomie immer weniger als stimmig erlebt wurde. Dazu kam noch die große technische Revolution, die die vierte Dimension prägt.

 

Wenn junge Menschen mit älteren Menschen reden, also wenn sie überhaupt mit ihnen reden, bemerken sie immer wieder, dass die älteren Leute meinen, sie müssen am Ende doch ihre Sicherheit darauf bauen, dass sie genügend Geld haben. Wenn man die innere Geborgenheit auf die äußere Geborgenheit aufbaut, fällt man sofort in die Anpassungsfalle! Wenn du die innere Geborgenheit hast, dass das Leben immer so gut ist, wie es sein kann, dann kannst du dich immer darum kümmern, was gerade zu tun ist. Dann darf es gehen, wie es geht. Das ist ein ganz anderer Ausgangspunkt. Meine Mutter hatte einen Ausspruch dafür geprägt, der allerdings nicht ganz passend für die Öffentlichkeit ist: Stell dir vor, du hast alles Geld der Welt und kannst vierzehn Tage nicht scheißen, dann ist es trotzdem nicht lustig.

 

 

 

 

 

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