Folge 8     Dunkle Materie

In April 2017 fand in Sjöberg, Schweden ein Seminar mit Iris Johansson über die Vierte Dimension statt. Nachfolgende Texte sind Ausarbeitungen der Audios. Iris sprach auf Schwedisch und wurde von Susanne Hinsch ins Deutsche übersetzt. Soweit wie möglich wurde der Wortlaut von Iris beibehalten, er wurde lediglich in Schriftsprache umgewandelt. Zum besseren Verständnis wurde die Reihenfolge der einzelnen Abschnitte in eine logische Folge gebracht.

Thomas Pedroli

 

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Gespräche mit Iris
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Einleitung

 

 

In deinem Sprachgebrauch tauchen immer wieder Wörter auf, die im Allgemeinen gar nicht so benutzt werden. Kannst du etwas darüber sagen, wie du die Begriffe „primär“ und „sekundär“ anwendest?

 

 

Die Begriffe des Primären und Sekundären sind sehr wichtig für mich. Es geht hier nicht um ein Entweder-oder. Das Primäre ist da, wenn nichts Anderes da ist. Und in unserer Zivilisation, da machen wir Sachen im Sekundären. Im Primären gibt es zwei verschiedene Lagen. Wir haben da keine Wahl, wir machen einzig und allein das, zu dem wir zu dem jeweiligen Zeitpunkt Zugang haben. Wenn wir im Inneren geborgen sind, dann können wir zu dem Sekundären übergehen, dort etwas tun und dabei in unserer Geborgenheit, Zufriedenheit und im Zutrauen zu uns selber bleiben. Wenn wir aber Angst haben - es muss nicht unbedingt so sein, dass du das fühlst, es kann auch nur der Körper Angst haben - dann wird die Angst steuern, wie wir im Sekundären handeln. Dann werden wir Schwierigkeiten und Gefahren sehen, alles dasjenige, was uns stört, hemmt und begrenzt. Wenn wir Misstrauen und Angst in uns haben, dann werden wir die Schwierigkeiten und Probleme sehen. Wenn wir in Geborgenheit sind, sehen wir die Möglichkeiten in einem zulassenden Denken. Und die Voraussetzung für das Letztere ist gerade die Beelterung.

 

 

Wenn es im Primären keine Wahlmöglichkeiten gibt, was haben Moral und Wertvorstellungen dann überhaupt noch für eine Bedeutung?

 

 

Im Primären gibt es keine Wahlmöglichkeiten, z.B. richtig und falsch im sekundären Sinne. Da gibt es nur deinen Sinn für das, was konstruktiv ist. Es gibt eine Lust und eine Sehnsucht danach, diesen Sinn zu leben und dem zu folgen. Und das ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Gewissen. Wenn wir das Primäre nicht kultivieren, sondern wenn das Sekundäre den Platz des Primären übernehmen darf, dann erschaffen wir Moral. Diese Moral geht nicht aus Zutrauen heraus, sondern aus Misstrauen. Sie stellt eine Menge Bedingungen, an die du dich anpassen sollst. Und wenn du dich nicht an diese Bedingungen anpasst, dann wirst du bestraft. Moral ist dazu geschaffen, damit du ein guter Mensch werden sollst, als ob du das nicht längst schon wärst, wenn du in Geborgenheit bist. Alle Dogmen, alle Moralvorstellungen und Ideale, wie man sein sollte, sind eine Irreführung, weil wir im Grunde genommen gar nicht zu ihnen passen. Weil sie auf einer Grundvorstellung aufbauen, dass der Mensch schlecht sei und gut werden sollte. Und darauf, dass die Unvollständigkeit Schande, schlecht und böse sei. Und das Perfekte, das Vollkommene sei das Gute! So sollte der Mensch sich anpassen, sich große Mühe geben, um gut zu werden. Dass ein Mensch gut werden könnte, ist ein gigantisches Mehrheits-Missverständnis (d.h. eine unzutreffende Auffassung, die aber von dem größten Teil der Menschen als wahr angesehen wird. T.P)! Da der Mensch ja weder gut noch schlecht ist: er ist einfach! Das Leben ist einfach, es ist die Wirklichkeit, und darin liegt keine Wertung. Die Voraussetzung fürs Leben ist Unvollständigkeit. Wenn keine Unvollständigkeit da ist, gibt es keine Bewegung. Wenn es keine Bewegung gibt, gibt es kein Leben. Dann gibt es nur Steine!

 

 

Zu deinen Ausgangspunkten gehört auch das Wissen um die Kommunikationsdimensionen. Magst du noch einmal eine Zusammenfassung von den verschiedenen Dimensionen geben?

 

 

Ja, was meine ich mit Kommunikationsdimensionen? Die erste Kommunikationsdimension hat es schon vor Tausenden von Jahren gegeben, und sie beinhaltet, dass wir in einer Gemeinschaft wie in einer Herde mit vielen Anderen zusammenleben. In dieser Dorfgemeinschaft wissen alle voneinander, und sie ist auch nicht größer, als dass Jeder Jedem begegnen kann, wenn er es wollte. Diese Welt ist eben so klein, dass Jeder von jedem Anderen etwas weiß und sich damit geborgen fühlen kann. Es ist insgesamt so, dass innerhalb von dieser Gemeinschaft alles vorhanden ist, was nötig ist, um das Leben zu verstehen. Darin liegt eine Eindeutigkeit und eine gemeinsame Wirklichkeitsauffassung. In der ersten Dimension hat es immer Hierarchien gegeben, und sie basierten auf sekundären Fähigkeiten und auf Traditionen. Die verschiedenen Stände der Priester und Adligen bildeten eine solche hierarchische Ordnung. Später kam auch ein Bürgerstand dazu. Dann entwickelte sich im Laufe der Zeit die zweite Kommunikationsdimension. Die Druckkunst spielte darin eine große Rolle. Durch Bücher und Zeitungen wurde alles Erforschte weiter verbreitet. Man entschied, dass alle Menschen rechnen, lesen und schreiben lernen sollten, um erleuchtet zu sein. Es entstanden neben dem gesprochenen Wort auch noch andere Sprachen: z.B. eine Schriftsprache und die Mathematik als Metasprache. Dadurch veränderte sich die Wirklichkeit. In Schweden hat sich diese Entwicklung so geäußert, dass 1842 ein Schulgesetz verabschiedet wurde, wodurch alle Kinder das Recht bekamen, in die Schule zu gehen. Bis 1905 war es umgesetzt und der Analphabetismus war so gut wie verschwunden. In dieser Zeit entstand die dritte Dimension. Durch die Erfindung des Dampfmotors und später des Verbrennungsmotors entstand die Möglichkeit weit reisen zu können. Mehr und mehr Menschen konnten schauen gehen und verstehen, wie es an verschiedenen Orten auf unserer Erde aussieht. Hundertzehn Jahre nachdem das Schulgesetz eingeführt wurde, kam das Fernsehen dazu. Damit konnte man die ganze Welt in sein Wohnzimmer hinein holen. In der Zeit der dritten Dimension fand ein Paradigmenwechsel statt: die Agrargesellschaft wechselte in eine Industriegesellschaft. Diese Industriegesellschaft wurde geprägt von einer Zuwachsökonomie anstelle einer Gebrauchsökonomie, wie sie vor dieser Zeit geherrscht hatte. Die Arbeitslage hatte sich geändert. Um die Industriegesellschaft zu ermöglichen, förderte man lauter kleine Kernfamilien, die man leicht an Stellen umpflanzen konnte, wo es Industrie gab, und so verlagerte sich die Bevölkerung in die Städte. Vorher lebte etwa 90 % der Bevölkerung auf dem Land in Großfamilien. In ungefähr 50 Jahren hat sich das Verhältnis umgekehrt und nur noch Wenige wohnten in Dörfern, meist alte Leute. Solange es noch unbefriedigte Bedürfnisse nach neuen Produkten gab, die man erfinden konnte, wie Waschmaschinen, Kühlschränke, Spülmaschinen, Espressogeräte usw., konnte man den Konsum unbeschränkt manipulieren. Anfang der neunziger Jahre hatten die Leute so ungefähr alles, was sie sich wünschen konnten und nicht mehr so viel Lust zu konsumieren. Das bedrohte den Staat und die Reichen, weil die nun nicht mehr so hohe Einkünfte hatten. Sie benutzten die Banken, um eine Krise zu erschaffen. Aber keiner hatte damit gerechnet, dass diese Krise ein solches Misstrauen in die Zuwachsökonomie mit sich bringen würde. Es war aber so. Die ganze Erwachsenenwelt wurde durch diese Geschichte ziemlich gelähmt und durcheinandergebracht. Sie führte zu einer unendlichen Menge Konkurse, zu Arbeitslosigkeit und dazu, dass Menschen sich das Leben nahmen, weil sie ihre Häuser verkaufen mussten. Die vierte Kommunikationsdimension fing mit denen an, die nach 1990 geboren wurden. In den neunziger Jahren wollte man die Wirtschaft ändern, weil Bankkrisen alles in Frage stellten. Das Volk, das eingelullt war in dem Glauben an die Zuwachsökonomie und dass man Geld aus Geld machen kann, kam völlig durcheinander. Die jüngeren Menschen merkten aber, dass diese Ideen nicht zu halten waren, dass sie sich nicht mehr auf die Zuwachsökonomie verlassen können und auch nicht mehr auf die Erwachsenen, die diese Situation offensichtlich nicht handhaben konnten. Die jungen Menschen hatten das Hier und Jetzt schon für sich entdeckt. Sie konnten nicht mehr aus einer Tradition heraus leben und auch nicht für ein „Später“. Zu gleicher Zeit hatte sich Englisch zu einer Sprache entwickelt, mit der man weltweit kommunizieren konnte. Auch die ganze IT hatte sich entwickelt. Da war schon ein Paradigmenwechsel entstanden. Allerdings sind überall noch die Leute in den Vierzigern und darüber an den Schaltstellen. Es gibt so Viele von ihnen, und sie stehen der Entwicklung im Wege. Die meisten dieser älteren Leute befinden sich in der dritten Dimension, einige sogar noch in der zweiten, und haben keine Ahnung wie sie mit der veränderten Lage umgehen können. Es wird sich dennoch ändern, weil alle jungen Leute schon in eine neue Dimension hineingewachsen sind. Diese vierte Dimension äußert sich auf eine besondere Weise: man lebt lokal, aber man denkt und kommuniziert global.

 

 

Wie erklärst du die Tatsache, dass die erste Dimension lange dauerte, die zweite kürzer und die dritte noch kürzer?

 

 

Durch das Lernen von Lesen, Schreiben und Rechnen werden sehr schnell und sehr früh bestimmte Teile im Gehirn entwickelt. Und wenn diese Entwicklung für die Mehrheit der Bevölkerung zugängig wird, beschleunigt das die Entwicklung. Der Paradigmenwechsel zur vierten Dimension ging wirklich rasant und zur fünften und sechsten wird er noch schneller gehen, weil die Gehirnkapazität sich verändert.

 

 

Wieso verändert das Lesen, Schreiben, Rechnen die Gehirnkapazität?

 

 

Der Mensch bringt tausendmal mehr Fähigkeiten mit, als er jemals in seinem Leben benutzen wird. Der Mensch bringt Fähigkeiten mit, die er überall auf der Welt in jedem denkbaren Jahrhundert anwenden könnte, so dass er unter welchen Umständen auch immer sicher klarkommen würde. Und was ein Mensch zu einer bestimmten Zeit nun entwickelt, hängt davon ab, was erforscht wurde und was von dem Erforschten für die Allgemeinheit zugänglich wurde und wie es im Strom des Timings steht. Dieses ist ein Entwicklungsmuster unter vielen tausend Anderen. Das Flexibilitätsdenken gibt es in der vierten Dimension auf eine ganz andere Weise, als dass es dieses in der dritten, zweiten und ersten gab. Das ist auch ein Grund dafür, dass die Schule der dritten Dimension jetzt nicht mehr funktioniert.

 

 

Wie wahrscheinlich ist es für dich, dass das Grundeinkommen kommen wird?

 

 

Ich glaube, dass es die Existenz einer Ökonomie, die darauf basiert, Geld zu verdienen, reich zu werden und sein eventuelles Glück auf ein „Später“ zu legen, noch eine Weile geben wird. Von mir aus kann das auch gerne noch so lange weiterleben, solange es noch jemanden gibt, der sich damit beschäftigen will. In diesem Konzept finde ich, sollte niemals mehr als 50% zu den Steuern gehen, so dass es für die Menschen sinnvoll bleibt Geld zu verdienen, weil genügend davon übrigbleibt. Wir Anderen, die wissen, dass das Glück nicht darin liegt mehr und mehr zu besitzen, wollen lieber eine Gebrauchs- oder Teilhabewirtschaft haben. Solange es noch eine genügend große Menge von Leuten gibt, die mit der Zuwachsökonomie weitermachen wollen, gibt es kein Problem mit einem Grundeinkommen, das hoch genug ist, dass man davon essen, sich kleiden und wohnen kann, wenn man sich geschickt mit Anderen zusammentut. Damit kann die Hälfte der Kosten der Bürokratie und des Krankenwesens reduziert werden. Weil die Zuwachswirtschaft darauf aufbaut, dass immer mehr Menschen immer mehr konsumieren werden, werden wir immer mehr Energie verbrauchen. Wenn diese zwei Wirtschaftsmodelle neben einander bestehen, die Einen also in der Zuwachswirtschaft und die Anderen in einer nachhaltigeren und umweltfreundlicheren Wirtschaft leben, dann wird zwangsläufig die Zuwachswirtschaft irgendwann kentern, da man einfach nicht genug an dieser wachsenden Zahl von Menschen, die anders leben, verdienen kann. Dann werden sich mit der Zeit da heraus neue Beziehungen zu Luft, Wasser, Natur und allen natürlichen Ressourcen ergeben. Das können Viele sich jetzt noch nicht richtig vorstellen, weil wir noch so sehr vom Geld-Denken besetzt sind. Aber aus dem, was ich von den 20 bis 30 Jugendlichen höre, die ich regelmäßig treffe, verstehe ich, dass sie für ein ganz anderes Denken in den Startlöchern stehen, als wir Alten uns überhaupt vorstellen können.

 

 

In welchen Zeiträumen denkst du?

 

 

Das ist eine etwa dreißigjährige Perspektive. Es dauert etwa dreißig Jahre für einen Menschen, um eine einzelne Gewohnheit zu verändern. Und es dauert 30 bis 40 Jahre, um ein Paradigma zu ändern. Es hängt von der Unvollständigkeit des Lebens ab, ob das schneller geht oder nicht. Eine Naturkatastrophe oder ein Krieg ändert eine Sache viel schneller, als es die natürliche Entwicklung machen würde. Aber man kann dennoch nie mit Sicherheit wissen, wann der Strom seine Richtung ändert. Es sind einzelne Menschen, denen das Kunststück gelingt, das richtig zu timen, was sie zu geben haben, so dass sich Dinge ändern. Ich verfolge das mit Spannung.

 

Dunkle Materie

 

In 2011 ging der Physik-Nobelpreis an die Entdecker der Dunklen Energie. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass das was man in der Naturwissenschaft über die Welt und die Wirklichkeit wissen kann 5 % des Universums umfasst. Daneben sind 27 % sogenannte Dunkle Materie http://home.cern/about/physics/dark-matter. In einem kilometerlangen Tunnel hat man Versuche gemacht und Bewegungen in der Dunklen Materie nachgewiesen. Es geht um das, was ich bisher als Atmosphäre bezeichnet habe. Von den restlichen 68 %, die Dunkle Energie (https://science.nasa.gov/astrophysics/focus-areas/what-is-dark-energy) genannt werden, wissen wir absolut gar nichts! Wir wissen nur ein kleines bisschen von dem, was wir sehen können, von den Planeten, der Milchstraße usw. Was sozusagen beleuchtet wird, können wir sehen. Ich will nur ein kleines Beispiel dafür geben, wie wenig wir wissen! Stellt euch vor, dass ihr nicht wisst, wie ein Auto aussieht, und es steht im Dunkeln. Aber ein Reifen wird angeleuchtet. Diesen einen Reifen kann man sich unter dem Licht ganz genau anschauen. Man kann jedes Detail genauestens beschreiben und alles wird perfekt mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Wenn dann aber jemand käme und behaupten würde, dass man treffsichere Aussagen über das ganze Auto machen kann, wie es aussieht und wie es funktioniert, wenn man diesen Reifen nur genau genug beobachtet, bewegte er sich auf Glatteis! Der Reifen sagt nichts darüber aus, wie das ganze Auto aussieht, geschweige denn darüber, wie es funktioniert. Das ganze Universum ist gefüllt mit Information, aber das meiste können wir nicht aufhellen, weil es dafür keine Frequenz gibt. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Kommunikationsdimensionen auch etwas sind, das aus dem Dunkeln herauskommt. Sie sind so lange dunkel, bis sie ins Licht heraufgeholt werden. Und selbst dann ist es nur ein ganz kleiner Teil von dem, was da ist.

 

 

Diese Prozentzahlen machen überhaupt keinen Sinn für mich. Wenn du nicht weißt, wie viel es gibt, wie kannst du dann 27 % davon nehmen?

 

 

Nun, wenn ich das richtig verstanden habe, und weil es Nobelpreisträger sind handelt es sich hier um sehr fortgeschrittene Forschungen, dann wissen wir, dass das Dunkle das ganze Universum ist, außer dem Hellen und der Dunklen Materie. Das Universum ist unendlich. Wie groß es auch immer sei, das sind die 100 %. Außerdem bewegt sich noch alles. Wenn das anhält und stillsteht, dann wendet sich das um und fällt in sich zusammen in ein sog. Schwarzes Loch. Jedes Partikel wird so klein wie nur irgend möglich. Dann kommt ein Punkt, wo es nicht kleiner werden kann, und es wendet sich um. Diese Bewegung nach außen und nach innen geht die ganze Zeit vonstatten. Im Grunde genommen kann im Universum nichts stillhalten. Auf eine sehr komplexe Weise haben sie ausgerechnet, dass die gewöhnliche Materie nur 5 % des Gesamten umfasst. Dann gibt es die 27 % Dunkle Materie, die zwar im Dunkeln liegt und außerhalb der sichtbaren 5 %, aber auf der einen oder anderen Weise sichtbar oder nachweisbar werden kann. Als Beispiel nehmen wir den Fall, dass du etwas zu mir sagen willst. Du sammelst dein Kommunikationsfeld zusammen und legst das vor dir hin, und wenn ich etwas sagen will, lege ich mein Kommunikationsfeld vor mir hin und strecke es zu dir hin, dass es eine kleine Schnittstelle in der Mitte gibt, wo sie sich überschneiden und wo wir eine Begegnung haben. Das kann geladen oder neutral sein. Davon hängt ab, wie wir kommunizieren. Das hat keine Schwere, keine Breite, es hat nur eine Bewegung im Dunkeln. In dem Teilchenbeschleuniger am CERN in Genf können ähnliche Bewegungen beobachtet werden, und daraus haben sie errechnet, dass es 27 % dieser Dunklen Materie gibt. Die übrigen 68 % liegen in totaler Dunkelheit. Was die Dunkelheit ausmacht, ist, dass man sie nicht sieht. Es ist wie bei Tag und Nacht, beim kleinsten bisschen Licht wird die Umgebung sichtbar. Die Voraussetzung dafür, dass wir etwas sehen können, ist, dass es die richtige Frequenz hat. Dunkelheit ist das, was waltet, wenn kein Licht da ist. Die Dunkelheit hat keine Chance gegen das Licht! Die Dunkelheit ist ganz gefüllt mit allem zwischen Himmel und Erde, es ist nur so, dass wir es nicht sehen. Aber solange es nicht zu erleuchten geht, kann man nicht sagen, was es ist.

 

Es ist eine Gedankenumstülpung, ein Paradigmenwechsel, wenn man sich klarmacht, dass man nur dieses Rad sieht und nicht daraus schließen kann, wie das Auto aussieht. So kann man auch verstehen, dass des Menschen Art zu lernen so unglaublich anders von statten geht als noch im 19. Jahrhundert. Das Lernen ist jetzt eher partikulär (von Einzelheiten ausgehend) als linear. Und partikulär ist auch schon wieder zu viel gesagt, weil es ein materieller Ausdruck ist, aber ich habe kein besseres Wort dafür. Das bewegt sich in allen möglichen Richtungen hin und her, das kannst du nicht in eine Ordnung hineindrücken, sondern es gehört dem Chaos an. Und dann beschreiben wir, wie etwas aussieht, aber das ist im Grunde immer ein Märchen. Ein Märchen hat natürlich auch immer etwas, das wahr ist, aber es bleibt ein Symbol für etwas.

 

 

Du hast mal gesagt, Liebe ist ein Zustand, der immer vorhanden ist. Ist in dieser 68 %, wo absolut kein Licht reinfällt, dann auch keine Liebe? 

 

 

Nein, so ist das nicht! Die ganzen 100 % sind gefüllt mit Liebe. Ob wir das benutzen oder nicht, das ist eine andere Frage.

 

 

Wie weißt du das?

 

 

Als Kind habe ich viel Information bekommen und damit gespielt. Da hatte ich dieses Erlebnis, dass die Liebe überall ist. Sie wird nicht Materie, sie wird nicht wirksam, bevor sie in einem Körper als ein Gefühl hochgeholt wird. Es ist möglich, die Liebe in sich heraufzuholen, wenn man geborgen ist. Und dann ist es zum Beispiel Freude oder Glück, alle diese Dinge, die man dann fühlt. Wenn du Angst hast, verwandelt sich die Liebe in Hass. Da ist genau so viel Kraft darin. Es ist nur so, dass der Hass vorübergeht, sobald die Angst verschwunden ist.

 

Du meintest, wenn die Angst waltet, verwandelt sich die Liebe in Hass. Angst kennen wir ja alle aus unserer Biographie heraus. Wie können wir mit der Angst umgehen?

 

 

Das erste, was du verstehen kannst, ist, dass es keine Vorderseite ohne Rückseite gibt. Wenn die Vorderseite Liebe ist, ist die Rückseite Hass, wenn die Vorderseite Hass ist, ist die Rückseite Liebe. Wenn jemand im Hass festsitzt, dann weiß ich, dass dahinter Angst steckt und die Person in Angst ist. Und ich weiß, dass Angst ansteckt. Wenn sich jemand in meiner Nähe in Hass und Angst befindet, bekomme ich selber Angst darin stecken zu bleiben. Stattdessen kann ich aber auch innehalten, mich umschauen und feststellen, dass es im Hier und Jetzt nicht gefährlich ist. Hier wird mich gerade niemand erstechen. Wenn mir bewusst wird, dass es im Hier und Jetzt nicht gefährlich ist und ich das meinem Körper vermitteln kann, dann werden Bewusstsein und Körper sich einig. Dann löst sich etwas in mir, und ich kann dabeibleiben, auch wenn jemand in seinem Angstding drin ist, wenn er aggressiv ist, hasst usw. Ich kann anwesend bleiben, ohne von der Angst angesteckt zu werden. Ich kann dieser Person meine Beelterung zukommen lassen. Die Beelterung habe ich um mich herum, sie ist nicht geladen, sondern neutral, eine Art von Mitgefühl, das in die Atmosphäre hinausgeht. Was dann geschieht, ist, dass sich das Herz dieser anderen Person erwärmt. Das verbreitet sich im Körper dieser Person, und so kann sie Liebe als Gefühl in sich selber hervorholen. Also nicht durch mich, aber dadurch, dass es in ihrem Körper möglich wird. Dann wird diese Person mit meiner Geborgenheit angesteckt, anstelle davon, dass ich mich mit der Angst des Anderen anstecke. Glaube übrigens nicht an das, was ich sage, sondern prüfe es in der Wirklichkeit, und dann wirst du schon sehen, dass es funktioniert!

 

 

Das Wort Beelterung hat für mich einen leicht negativen Klang, ich assoziiere es mit bevormunden. Was meinst du genau damit?

 

 

Leider haben wir noch kein geeigneteres Wort. Ich habe den Begriff aus dem englischen „parenting“ übersetzt. Vielleicht findet ihr noch ein besseres Wort!

 

„Beelterung ist ein Begriff, den ich wichtig finde und viel benutze. Es geht darum, dass es um euch herum eine äußere Geborgenheit gibt, die macht, dass ihr in euch hinein sinken und in euch selber geborgen sein könnt. Beelterung ist nicht etwas, was man macht, sondern es ist ein Strom in der Atmosphäre, der diese Geborgenheit erschaffen kann.

 

 

Wieso kann man Beelterung nicht tun, ist es keine Handlung im eigentlichen Sinne?

 

 

Es geht um dein Sein. Wenn du in Geborgenheit, in Zufriedenheit in dir selber drin bist, in Autonomie und nicht in Anpassung, dann wird daraus ein Strom in der Atmosphäre, so dass eine neutrale Atmosphäre entsteht. Und das ist die Voraussetzung dafür, dass wir in uns hinein sinken können. Beelterung bedeutet bedingungsfreie Fürsorge. Wenn die Atmosphäre ohne Ladung ist, lassen die Menschen das Äußere los und sinken in sich selber. Das verhält sich ähnlich mit Plusladungen wie mit Minusladungen. Derjenige, der für die Beelterung geradesteht, kümmert sich um die Plusladungen und die Minusladungen in der Atmosphäre. Einige haben einfach dieses Talent. Oft entwickelt sich das unbewusst, so dass die Person gar nicht weißt, dass sie es hat. Hat man das nicht, dann kann man es mit Bewusstsein und Übung soweit entwickeln, dass es genügt. Das Talent ist nur ein kleiner Anteil, alles Andere ist die gute Arbeit, die man mit sich selber in Gruppen macht.

 

 

Hast du selber viel Talent dafür?

 

 

Ich habe ein großes Talent und sehr viel Übung darin, alle Plus- und Minusladungen in der Atmosphäre zu neutralisieren. Dazu bin ich auch noch außerordentlich geübt darin, es für die Leute schwierig zu machen. Z.B. die Atmosphäre so zu laden, dass die Menschen angespannt werden und sich unwohl fühlen. Als autistisches Kind war genau das mein beliebter Sport. Diese Erfahrung habe ich dann später benutzt, um Beelterung zu entwickeln.

 

 

Hast du, nachdem du dich für die Beelterung entschieden hast, diesen alten Sport nochmal eingesetzt?

 

 

Ja, es gab tatsächlich noch einige Male eine Verführung, der ich nicht widerstehen konnte. Z.B. als ich mit uneinsichtigen Bürokraten zu tun hatte, die idiotische Dinge verlangten und auch in politischen Debatten. Aber mit ungefähr vierzig habe ich damit endgültig aufgehört!