Wenn das Kind in dir weint...

Und dann gibt es plötzlich Momente, da überwältigt es dich. Meistens sind die Anlässe dazu nichts Besonderes, aber du verzweifelst unter der Heftigkeit der Gefühle. Du kommst nicht heraus. Du empfindest Schuld, Scham, Einsamkeit und vor allem die Unfähigkeit, zu handeln.

 

 

 

Das kleine Kind, das du einmal warst, meldet sich. Es ist noch immer da – lange nicht beachtet von dir. Nun bittet es um Aufmerksamkeit. Es hat so lange geweint – aber du hattest es nicht bemerkt. Jetzt siehst du es. Es ist ein kleines Kind, schutzlos und bedürftig.

 

Oft wollte es Beruhigung und Trost und hat sie von anderen Menschen eingefordert – es sollte von außen kommen. Auch wenn diese Menschen es von Herzen geben wollten, nie konnten sie diesen Hunger nach Wärme und Nähe wirklich stillen. Konflikte waren vorprogrammiert.

 

Die Fähigkeit, zufrieden zu sein, hattest du schon, tief in dir drinnen – nur war sie zugeschüttet. Wenn du erwachsen bist, gibt es keine Mutter und keinen Vater mehr, die dich beruhigen können. Vielleicht suchtest du Trost bei deinem Partner und deinen Freunden. Nun übernimmst du selber diese Rolle. Du kannst es.

 

Nehme das verängstigte Kind in deine Arme und sage: Du weinst? Wie gut, endlich sind sie da, lasse die Tränen fließen! Du bist in Ordnung, so wie du bist. Du musst nicht besser sein, um zu genügen. Du brauchst mir nichts zu beweisen. Ich liebe dich, so wie du bist. Ich bin immer da, wenn du mich brauchst.

 

Die Emotionen fließen ab. Es wird ruhiger. Du kommst wieder hervor aus dem Versteck und fühlst dich erleichtert, heller und kräftig für den nächsten Schritt. Es fällt dir ein, was du machen kannst – eine kreative Idee. Einfach, treffend, anwendbar!

 

Text: Thomas Pedroli

Bilder: Susanne Oertel