Buchbesprechung von Cornelia Wiemers

“Die größte Ofenbarung ist die Stille.” (Laotse)
                      “Momente der Stille” und “Tautropfen“-

                                                zwei neue Hefte für Leiermusik von Thomas Pedroli


Die rote Lotusblume, leuchtet einem auf der Vorderseite des in 2018 rausgebrachten Heft für Leiermusik von Thomas Pedroli, entgegen. Das Symbol für Mitgefühl und Herzenskräfte, steht Pate bei “Moments of Stillness”, wie
die Sammlung von 5 Stücken für 1-2 Leiern heisst. Die Stücke bezaubern vor allem durch ihre Reinheid und Schönheit. Die Lotusblume schliesst und öfnet sich im Einklang mit dem Tagesrhythmus. Dieser stille, ruhige, atmende Rhythmus ist auch der Hauptcharakter der verschieden Stücke: “Stillness”, “Eternal”, “Roses”, “Elves”, “Far away”. Der Klang breitet sich mal mehr tastend, dann mehr bewegend, aber immer lauschend, im Raum aus.
So stellen die verschiedenen Stücke den Spieler immer wieder vor die Herausforderung der Wachheit und Umgangs mit dem Raum, letztendlich dem Raum der Stille.


“Dew Drops”, das zweite, in 2019 herausgebrachte Heft für zwei Leiern, schliesst in seinem Charakter an die Lotusblume, Symbol für inneren Wachstum und Leben, an. “Tautropfen” glänzen und spiegeln die Umgebung wieder in einem Konzentrat. Punkt und Umkreis sind wunderbar miteinander vereint. Auch diese Musik bezaubert wieder durch ihre Schlichtheit und Klarheit im Aufbau.
Bewegung: “Go with the flow” - Ruhepunkt: “Dew Drops” - Bewegung: “Bagatelle delle Mare” - Ruhepunkt: “At Home” endend mit Bewegung, dem zweiten “Go with the flow”, so tanzt und atmet der Spieler sich durch die Verschiedenheit der Stücke.

“Die beiden Leierstimmen fügen sich ineinander zu einem heiteren, ruhig synchron fliessenden Bewegung” ist eine Spielumschreibung und gleichzeitig eine Charakterisierung des Heftes.
Der Aufbau der Stücke ist auch durch Symmetrie und Wiederkehr gekennzeichnet, die es dem Spieler erleichtern sich einzuleben, loszulassen und in dem “flow” mit zu strömen.


Für mich ist das Leiermusik, die die Leier als modernes Instrument dieser Zeit ernst nimmt und klingen lässt, wie es zu ihr gehört. Besonders hat es mir das Stück “Stillness’ angetan. Es lässt sehr viel Raum für den Klang. Gleichzeitig fragt es um so mehr um sorgfältige Tonbildung, Loslassen und freie eigene
Körperhaltung, um zu klingen, dass der Spieler daran alles, was meiner Meinung nach zum Leierspiel gehört, lernen kann, wenn er die Chance packt.
Die Kompositionen sprechen den Spieler in seiner Verantwortung an, actief und
lauschend zu bleiben im Spiel. Sein eigenes Verhältnis zur Leier und zum (Um)Raum kann Leitdraht sein für die Entdeckungsreise rund um diese Stücke.


Für mich eine “Leierschule” ohne eine Schule sein zu wollen. “Äussere Bewegung regt innere, hörende Bewegung an”, das Ideal von Julius Knierim, wird hier Wirklichkeit.


Cornelia Wiemers,
Musiktherapeutin und Dalcroze-Rhythmik Dozentin in den Niederlanden