6. Was sind die Ergebnisse des Intuitionstrainings?

 

Jetzt, nach 21 Jahren intuitiver Pädagogik, kann die Frage auftauchen: „Was sind die Ergebnisse oder langfristigen Auswirkungen von Intuitionstraining?“ Um ehrlich zu sein, hat es zu dieser Frage noch nie systematische Untersuchungen gegeben. Aus diesem Grund kann ich nur meine persönlichen Beobachtungen und Schlussfolgerungen mitteilen. Bei meiner Beobachtung habe ich drei verschiedene Schritte oder Ebenen festgestellt, die die Teilnehmer beim Üben der Intuitiven Pädagogik durchlaufen. Die Schritte sind natürlich sehr individuell, ebenso wie die Zeit, die für den einen oder anderen aufgewendet wird. Auch die Reihenfolge, in der die Schritte erlebt werden, kann unterschiedlich sein. Im Allgemeinen braucht das Training jedoch ein bis drei Jahre, um alle drei Schritte zu durchlaufen.

 

Intuitive Pädagogik in Beijing (China), photo: Thomas Pedroli
Intuitive Pädagogik in Beijing (China), photo: Thomas Pedroli

Erster Schritt
Zuallererst treffen wir uns und machen vielen Bewegungen, Koordinationsübungen und Spiele. Die meisten Teilnehmer kommen damit zu einer tiefen Entspannung, die sie im Alltag selten erleben. Dies hat auch mit einem Umfeld zu tun, das frei von Beurteilungen und Quantifizierungen ist. Die meisten von uns haben von frühester Kindheit an mit Urteilen und Erwartungen gelebt und fühlten sich gedrängt dauernd nach mehr und besseren Ergebnissen zu streben. Die Folge davon ist das Schwinden der Kreativität und der Verlust des Kontaktes zu unserer inneren Motivation. Für die meisten von uns ist es ein sehr erfreulicher Moment in welchem wir unsere eigene Kreativität wiederentdecken. Es ist, als würde man sein inneres Kind wiederfinden. Um die Beziehung zu diesem inneren Kind aufzubauen und zu vertiefen, brauchen wir genügend Zeit für die Spiele und Übungen.

Workshop Bratislava (SK), Foto: Thomas Pedroli
Workshop Bratislava (SK), Foto: Thomas Pedroli

Zweiter Schritt
Eine zweite Ebene besteht aus den Gefühlen und Emotionen, die während der Spielarbeit und anderen Übungen entstehen und Zugang zu der darin enthaltenen Weisheit gewähren. Während wir weiter üben, kommt neben der Freude, die wir empfinden, auch noch etwas Anderes hinzu. Es ist der Kontakt mit unseren eigenen Blockaden, die die Art und Weise hemmen, wie wir in unserem Leben gerne handeln und uns verhalten würden. Um diese Blockaden zu lösen (jeder hat seine eigenen), müssen alten Reflexe und Muster überwunden werden und sich neue Synapsen bilden. Dies ist möglich, erfordert aber freien Willen und beharrliches Üben. Auf dieser Ebene kann individuelle Unterstützung hilfreich sein, die während der Seminare angeboten wird.

Seminar Ponec Theater Prag, Foto: Natálie Vacková
Seminar Ponec Theater Prag, Foto: Natálie Vacková

Dritter Schritt
Schließlich beginnen wir zunehmend, die vielen Zusammenhänge zwischen uns selbst, unserer Vergangenheit, unserer gegenwärtigen Umgebung und unserer Zukunft klarer zu verstehen. Hier können wir an den Schlüsseln arbeiten, um in schwierigen und unerwarteten Situationen aus dem Moment heraus stimmig zu handeln. Diese Schlüssel liegen in jedem von uns und haben nichts mit „Methoden“ oder „Werkzeugen“ gemein, die allgemein und unter allen Umständen anwendbar sein sollen. Sobald wir einen Zugang zu diesen Schlüsseln finden, merken wir, dass wir unsere Intuition geschult haben. Intuition bedeutet hier, dass es keine Differenz zwischen unserem Denken und Handeln gibt und dass eine bestimmte Handlung oder Reaktion genau das ist, was im Moment Sinn macht. Und beides ist bewusst. Denken und Handeln haben eine klare und sinnvolle Beziehung zueinander. Intuitive Pädagogik ist ein Training für den Menschen als Ganzes – und beschränkt sich nicht auf Dinge, die anwendbar sind in unserem Berufsleben.

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